Costa Rica – Das Paradies auf Erden?

Sonnenuntergang in Tamarindo in Costa Rica

Costa Rica stand schon lange auf meiner Wunschliste. Zwei Wochen Zeit, drei verschiedene Orte und die große Frage: Welche Route macht während der Regenzeit am meisten Sinn? Wir entschieden uns für La Fortuna, Tamarindo und Santa Teresa und ließen die Karibikküste bewusst aus. Ob diese Entscheidung die richtige war, verrate ich euch in diesem Reisebericht.

Vorweg: Costa Rica hat uns nicht so sehr begeistert, wie wir es vielleicht erwartet hatten – aber das Land hatte definitiv seine besonderen Momente. Genau deshalb möchte ich einen ehrlichen Eindruck vermitteln, der sowohl die schönen als auch die schwierigen Seiten zeigt.

Wasserfall in Costa Rica Landzeitbelichtung
Palme am Strand von Montezuma in Costa Rica

Die Erwartungen waren riesig

Wenn man sich über Costa Rica informiert, stößt man überall auf dieselben Bilder: Faultiere am Straßenrand, Tukane in den Bäumen, Affen überall und eine unglaubliche Artenvielfalt. Ehrlich gesagt hatten wir genau diese Vorstellung im Kopf.

Unsere Realität sah allerdings etwas anders aus. Abgesehen von ein paar Tieren haben wir vom berühmten Wildlife erstaunlich wenig mitbekommen. Das lag vermutlich auch daran, dass wir leider nicht besonders viel Zeit in den Nationalparks verbracht haben. Wer wegen der Tierwelt nach Costa Rica reist, sollte dafür definitiv mehr Zeit einplanen und verschiedene Nationalparks besuchen.

Kapuzineraffe in Costa Rica

Jetzt weiß ich wieder, warum ich lieber in der Trockenzeit reise

Wir waren während der Regenzeit unterwegs und hatten insgesamt ziemlich viel Glück. Oft regnete es erst nachts, sodass wir tagsüber meist unseren Aktivitäten nachgehen konnten.

Ganz verschont wurden wir aber nicht. An einigen Tagen machte uns der Regen einen Strich durch die Rechnung – und wenn es in Costa Rica regnet, dann richtig. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der Himmel in eine einzige Wasserwand.

Ein Punkt, der uns in der Nebensaison besonders aufgefallen ist, war die Ruhe. Viele Orte wirkten fast wie leer gefegt und wir hatten Strände und Straßen oft beinahe für uns allein. Das kann durchaus seinen Reiz haben, wenn man Menschenmassen vermeiden möchte.

Gleichzeitig hatte die Off-Season für uns aber auch klare Nachteile. Einige Geschäfte und Restaurants hatten geschlossen, weil viele Betreiber selbst Urlaub machten. Dadurch fehlte manchen Orten etwas Leben und wir konnten häufiger nicht einfach durch kleine Läden stöbern oder spontan einkehren. Die entspannte Atmosphäre war zwar angenehm, wirkte stellenweise aber fast schon etwas zu ruhig. Gleichzeitig hat uns das gezeigt, wie stark viele Orte vom Tourismus abhängig sind.

Costa Rica ist teuer

Uns war schon vor der Reise bewusst, dass Costa Rica zu den teuersten Ländern Mittelamerikas gehört.

Trotzdem hat uns das Preisniveau überrascht. Nach vier Wochen in Bolivien und Peru fühlte sich plötzlich alles teuer an – Restaurants, Supermärkte und Aktivitäten. Natürlich hängt das auch vom direkten Vergleich ab, aber Costa Rica ist definitiv kein günstiges Reiseziel. Seid euch dem bewusst! Wer schon einmal in Europa gereist ist, wird sich vom Preisniveau vielleicht weniger überrascht fühlen. Wer aber aus günstigeren Ländern wie Peru oder Bolivien kommt, merkt den Unterschied deutlich.

Gerade in Tamarindo hatten wir außerdem oft das Gefühl, dass sich vieles stark auf amerikanische Touristen ausrichtet. Entsprechend touristisch wirkte auch die Infrastruktur.

Überraschend gute Straßen

Etwas, womit wir gar nicht gerechnet hatten: Die Straßen waren deutlich besser als erwartet. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber insgesamt hatten wir den Eindruck, dass man in Costa Rica gut vorankommt. Man braucht zwar lange um von A nach B zu kommen, aber trotzdem war das Fahrgefühl angenehm.

Weniger angenehm waren dagegen die zahlreichen Quads. Vor allem in den Küstenorten wie Santa Teresa knatterten sie gefühlt den ganzen Tag durch die Straßen. Das sorgte leider immer wieder für ordentlich Lärm und nahm den Orten ein Stück ihrer entspannten Atmosphäre.

Unsere Reiseroute durch Costa Rica

La Fortuna

La Fortuna selbst hat uns als Ort nicht besonders gefallen. Er wirkt sehr funktional und lebt fast ausschließlich vom Tourismus. Es gibt hier wenig architektonische Atmosphäre und kaum Straßen, durch die man einfach gemütlich schlendern möchte.

Vulkan Arenal der über La Fortuna thront
Ich am Fuße des La Fortuna Wasserfalls

Die Wanderung im Nationalpark am Vulkan Arenal war für uns ehrlich gesagt etwas langweilig. Erst ging es über Stock und (Lava-)Gestein durchs Dickicht, nur damit man auf einem künstlich angelegten Platz am See ankommt, bevor es hoch zum Aussichtspunkt geht. Hat mir nicht so gut gefallen. Vielleicht waren meine Erwartungen aber auch einfach zu hoch.

Dafür waren zwei andere Aktivitäten absolute Volltreffer:

Die Schokoladen-Tour bei Don Olivo war unglaublich interessant und wir haben viel über den Anbau und die Verarbeitung gelernt. Wusstest du, dass Kakaofrüchte direkt aus dem Stamm wachsen, egal an welcher Stelle? Oder dass man das glibberige Fruchtfleisch um die Kakaobohne essen kann? Es schmeckt sogar echt lecker!

Kakaofrucht am Baumstamm
Sternfrucht oder auch Karambole genannt – in Costa Rica
Zuckerrohr in einer Hand
Reife Kakaofrüchte in Costa Rica
Kakaobohnen werden in der Sonne getrocknet
Geöffnete Kakaofrucht mit Kakaobohnen im Inneren.

Mein persönliches Highlight der gesamten Costa Rica Reise war das Wildwasser-Rafting. Wer Lust auf Action hat, sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen. Wir können Arenal Rafting als Anbieter hier sehr empfehlen. Wer sich nicht sicher ist, ob es das Richtige für sie oder ihn ist – ich kann es nur empfehlen. Anfangs hatte ich auch Angst und dann konnte ich nicht genug bekommen!

Tamarindo

Mit Tamarindo wurden wir leider auch nicht richtig warm.

Der Ort wirkte auf uns sehr touristisch und konnte uns insgesamt nicht begeistern. Die schönsten Momente waren tatsächlich die Sonnenuntergänge am Strand und die Happy Hour mit Cocktails direkt am Meer. Das war schon ziemlich schön – auch wenn der Ort selbst uns wenig gegeben hat.

Sonnenuntergang mit Spiegelung in Tamarindo in Costa Rica.

Für einen kurzen Stopp am Strand und einen Sonnenuntergang ist Tamarindo aber definitiv schön!

Santa Teresa

Zum Glück kam zum Schluss noch Santa Teresa.

Hier hat uns die Atmosphäre deutlich besser gefallen. Kleine Cafés, entspannteres Flair und ein schöner Strand, an dem man auch gut baden kann. Besonders begeistert haben mich die unzähligen kleinen Einsiedlerkrebse, die überall am Strand unterwegs waren. Wobei man wirklich aufpassen muss, nicht aus Versehen auf einen von ihnen draufzutreten.

Der Cocktail Coco Loco wird auf der Isla Tortuga in Costa Rica in einer Kokosnuss serviert
Isla Tortuga in Costa Rica

Zum Abschluss machten wir nochmal einen Tagesausflug zur Isla Tortuga und bekamen dort auch endlich mal ein paar Tiere zu Gesicht. Leider weniger unter Wasser, da es kurz vorher stark geregnet hatte und das Wasser trüb war. Trotzdem war es ein super gelungener Ausflug, den ich uneigeschränkt empfehlen kann.

Das beste Essen? Ganz klar Casado.

Wenn ich ein Gericht aus Costa Rica vermissen werde, dann Casado.

Eigentlich ist es ein einfaches Gericht aus Reis, Bohnen, Salat, Kochbananen und Fleisch oder Fisch – aber genau diese Kombination hat uns immer wieder überzeugt. Oft sind es eben die einfachen Dinge.

Und wenn wir schon beim Essen sind: Ich habe in meinem Leben noch nie so gute Ananas gegessen. Wirklich. Jede einzelne war unglaublich süß, saftig und aromatisch. Allgemein sind die ganzen verschiedenen Früchte, die man hier bekommt so frisch und saftig. Das versteht man wahrscheinlich erst, wenn man sie selbst probiert hat.

Mein Fazit

Costa Rica hat mich nicht so begeistert, wie ich es erwartet hatte. Das lag sicher auch an unserer Route und der begrenzten Zeit!

Die Natur ist beeindruckend, aber vieles fühlte sich für uns sehr kommerzialisiert an. Für fast jede Sehenswürdigkeit musste man Eintritt zahlen und selbst schöne Aussichtspunkte oder Wasserfälle waren oft nur über kostenpflichtige oder private Zugänge erreichbar. Dadurch entstand bei uns manchmal das Gefühl, dass Natur hier stärker kommerzialisiert ist als in anderen Ländern, die wir bereist haben.

Trotzdem nehmen wir viele schöne Erinnerungen mit: Wildwasser-Rafting, die Kakao-Tour, Casado, traumhafte Sonnenuntergänge und die beste Ananas, die wir je gegessen haben. Costa Rica war für uns kein perfektes Reiseziel – aber definitiv eine Erfahrung und Reise wert.

Für unseren persönlichen Reisestil würden wir aber sagen: Ein ähnlich beeindruckendes Naturerlebnis kann man vermutlich auch in anderen Ländern Mittelamerikas für weniger Geld finden.

Warst du schon mal in Costa Rica? Welche Erfahrungen konntest du sammeln? Hättest du die gleiche Reiseroute gewählt? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

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