Bali – Insel der Götter und Dämonen

Tempel "Pura Ulun Danu Bratan" auf Bali im Kratersee des Vulkans "Bratan" gelegen.

Zwischen 2018 und 2022 war ich zweimal auf Bali – einmal endete der erste Tag mit einem gebrochenen Zeh, das andere Mal mit Vulkanasche auf meinem Rollersitz. Dazwischen lagen sieben Orte, unzählige Tempel und einige der intensivsten Reiseerlebnisse meines Lebens.

Zwischen jahrhundertealten Tempeln, einem aktiven Vulkan, Reisterrassen in sattem Grün und einer Kultur, die einen auf Schritt und Tritt in ihren Bann zieht, habe ich auf zwei Reisen sieben unterschiedliche Orte kennengelernt: Seminyak, Ubud und Gili Trawangan bei meiner ersten Reise, Lovina, Amed, die Bukit-Halbinsel und Nusa Penida bei der zweiten. In diesem Bali Reisebericht nehme ich dich mit zu allen Stationen – inklusive der Momente, in denen ich am liebsten geheult hätte, und den Augenblicken, für die sich die ganze Reise gelohnt hat.

Eine Insel der Gegensätze

Ein Teil des Zaubers, den Bali versprüht, hat mit dem allgegenwärtigen hinduistischen Glauben zu tun. Fast überall begegnet man den kleinen, aus Palmblättern geflochtenen Opferschalen, den Canang Sari, die täglich frisch mit Blüten, Reis und kleinen Snacks bestückt und vor Häusern, Geschäften oder auf Schreinen abgelegt werden. Dazu kommen die unzähligen Zeremonien und Feste, die man als Reisender fast automatisch mitbekommt, und der permanente, leicht süßliche Geruch von Räucherstäbchen, der einem auf Schritt und Tritt begleitet. Genau diese kleinen, alltäglichen Rituale haben für mich mindestens so sehr zur besonderen Atmosphäre beigetragen wie die großen Tempel.

Und das macht Bali auch so widersprüchlich: Die Insel ist die einzige mehrheitlich hinduistische Region in einem Land, das ansonsten überwiegend muslimisch geprägt ist. Gleichzeitig ist Bali längst auch zu einem Paradies für westliche Expats und Influencer:innen geworden – überall in Seminyak und Canggu findet man Co-Working-Cafés, Smoothie-Bowls und Yoga-Retreats, die eher an Los Angeles als an Südostasien erinnern. Uralte religiöse Tradition und durchgestylter westlicher Lifestyle existieren hier auf engstem Raum nebeneinander, und genau dieser Spagat macht die Insel so einzigartig. Ob man das mag, muss man selbst herausfinden.

Reisfelder auf Bali

Kurzer Überblick über meine Reiseroute

Falls du selbst eine Bali-Reise planst: Meine beiden Touren haben zusammen praktisch die ganze Insel abgedeckt, plus zwei vorgelagerte Inseln. Grob lässt sich die Route so zusammenfassen:

Reise 1 (2018):

Seminyak im Süden → Ubud im Landesinneren → Gili Trawangan (Vorgelagerte Insel, gehört eigentlich zu Lombok)

Reise 2 (2022):

Lovina im Norden → Amed im Osten → Bukit-Halbinsel im äußersten Süden → Nusa Penida (Vorgelagerte Insel im Südosten)

Seminyak: Nightlife, Strände und Shopping

Ich habe in der Villa Chandra übernachtet, eine schöne, ruhige Anlage etwas abseits vom Trubel – perfekt zum Runterkommen nach dem Flug. Bei einer anderen Gelegenheit habe ich auch im Ibis Bali Legian Street (Das scheint es nicht mehr zu geben) gewohnt, eine solide, unkomplizierte Option, wenn du zentral und nah am Geschehen sein willst.

Die Sache mit dem Zeh

An unserem ersten Tag auf Bali haben wir uns direkt einen Roller gemietet, wie es hier praktisch jeder macht. Was soll schon schiefgehen, dachte ich mir. Nun, die Antwort: mein kleiner Zeh. Im trubeligen Bali-Verkehr versuchten wir uns mit dem Roller zwischen den Autos die im Stau standen und das Auto was am Straßenrand parkte hindurchzuquetschen. Mein kleiner Zeh war leider der Verlierer des Unterfangens. Das Ergebnis: Die geplante Sonnenaufgangswanderung zum Vulkan Bratan konnte ich komplett vergessen. Wer nach Bali fährt und einen Roller mieten möchte, sollte also von Anfang an vorsichtig sein – gerade auf den oft überfüllten Straßen ist das Verletzungsrisiko höher, als man denkt.

Surfen für Anfänger

Die gute Nachricht: Seminyak hat einige der anfängerfreundlichsten Wellen ganz Balis. Wenn du noch nie auf einem Surfbrett gestanden hast, ist das hier ein hervorragender Ort, um es das erste Mal zu probieren – die zahlreichen Surfschulen und private Instructors am Strand sind auf genau dieses Publikum eingestellt.

Shopping-Tipp

Wer gerne shoppen geht, sollte unbedingt bei Indigo Luna in Canggu vorbeischauen. Das balinesische Label hat mich mit seinen Designs und der Qualität total überzeugt – definitiv einen Besuch wert, wenn du ein Souvenir suchst, das kein Fließband-Massenprodukt ist.

Ansonsten gibt es überall auf Bali die runden, geflochtenen Taschen. Auch ich bin ihnen 2018 verfallen und habe mir eine gekauft.

Ubud: Reisterrassen, Tempel und ein unheimlicher Moment

Ubud ist das kulturelle Herz Balis, und wenn du nur einen Ort auf der Insel besuchen könntest, wäre es vermutlich dieser. Zwischen Yogastudios, Kunstmärkten und sattgrünen Reisfeldern habe ich hier einige meiner intensivsten Bali-Momente erlebt.

Eine Aufnahme von mir auf Bali – inspiriert von Madame Charlie.

Unterkunft

Ich habe im White House Central Ubud übernachtet – wirklich zentral gelegen, mit freundlichem Personal und genau der richtigen Mischung aus Komfort und lokalem Flair.

Tegalalang Reisterrassen

Die Tegalalang Reisterrassen gehören zu den meistfotografierten Orten Balis, und das aus gutem Grund. Die in Stufen angelegten Reisfelder ziehen sich einen ganzen Hang hinunter und sehen bei gutem Licht am frühen Morgen einfach magisch aus. Ein Highlight meiner gesamten Reise.

Pura Tirta Empul und der Vulkanausbruch

Der Tempel Pura Tirta Empul ist bekannt für seine heiligen Quellen, an denen Balinesen und mittlerweile auch viele Touristen rituelle Waschungen vornehmen. Man taucht dabei nacheinander unter mehreren Wasserspeiern hindurch – ein beeindruckendes, fast meditatives Erlebnis.

Was ich dort erlebt habe, werde ich aber nie vergessen, und es hat nichts mit dem Ritual selbst zu tun. Als wir nach dem Tempelbesuch zurück zu unserem Roller liefen, lag auf dem Sitz eine dünne Schicht Asche. Es regnete tatsächlich Asche vom Himmel. Wir hatten nichts gesehen, keinen Knall gehört, keinen Rauch bemerkt – aber der Vulkan Agung war in diesen Tagen aktiv, und wir bekamen die Folgen hautnah mit. Mir lief es eiskalt den Rücken runter, als mir klar wurde, was gerade passierte. Zum Glück blieb es bei diesem leichten Ausbruch, aber der Moment hat sich bei mir eingebrannt.

Goa Gajah

Auch die Goa Gajah, die „Elefantenhöhle„, habe ich besucht – ein kleinerer, aber sehenswerter Tempelkomplex mit einer beeindruckenden Höhleneingangsfassade, die von einem furchteinflößenden Gesicht bewacht wird.

Yoga und Kultur

Ubud ist auch DER Ort auf Bali, um Yoga zu praktizieren – überall findet man Studios, die Kurse für jedes Level anbieten. Wenn du die spirituelle Seite Balis erleben willst, bist du hier goldrichtig.

Sacred Monkey Forest Sanctuary

Wer nach Ubud reist, der kommt um diese Attraktion nicht herum: Das Sacred Monkey Forest Sanctuary. Wer noch nie Affen gesehen hat, oder unbedingt Affen begegnen möchte, der ist hier an der richtigen Adresse. Beim Schlendern durch die Anlage wirst du garantiert auf welche treffen. Aber sei gewarnt: Alles was nicht niet- und nagelfest ist, ist leichte Beute für die Affen.

Gili Trawangan: Paradies am Tag, Partyinsel bei Nacht

Auch wenn Gili Trawangan streng genommen zu Lombok und nicht zu Bali gehört, ist sie für die meisten Bali-Reisenden ein fester Bestandteil der Route – auch für mich.

Zwei Gesichter einer Insel

Was mich an Gili T am meisten überrascht hat, war der krasse Kontrast zwischen Tag und Nacht. Tagsüber ist die autofreie Insel ruhig und entspannt: türkisblaues Wasser, weißer Sand, kaum Verkehrslärm. Sobald die Sonne untergeht, verwandelt sie sich in einen der wildesten Party-Hotspots Südostasiens. An praktisch jeder Straßenecke werden Magic-Mushroom-Shakes verkauft, was unter Touristen zu einem regelrechten Ding geworden ist – auch wenn ich an dieser Stelle klar sagen möchte: Informiere dich vorher unbedingt über die rechtliche Lage und die Risiken, bevor du sowas ausprobierst.

Schnorcheltour

Das absolute Highlight meiner Zeit auf Gili T war eine Schnorcheltour rund um die Inselgruppe. Das Wasser ist glasklar und die Chance, Schildkröten zu sehen, ist enorm hoch – ich hatte Glück und konnte welche sehen. Wenn du nur eine Aktivität auf den Gili-Inseln machst, dann diese.

Lovina: Im Norden von Bali

Vier Jahre nach meiner ersten Bali-Reise ging es 2022 direkt im Anschluss an Java zurück auf die Insel – diesmal mit ganz anderen Stationen. Lovina im Norden war der erste Halt.

Unterkunft

Ich habe im Hotel Chonos übernachtet, eine unkomplizierte und angenehme Unterkunft, ideal als Ausgangspunkt für die Delfintour.

Delfintour – aber richtig

Delfintour in Lovina auf Bali
Delfintour in Lovina auf Bali

Lovina ist berühmt für seine Delfintouren, bei denen man frühmorgens mit kleinen Booten hinausfährt, um wilde Delfine zu beobachten. Das war eines der Highlights meiner zweiten Reise. Aber: Nicht jeder Anbieter geht dabei verantwortungsvoll mit den Tieren um. Viele Boote drängen sich viel zu nah an die Delfine heran, was für die Tiere erheblichen Stress bedeutet. Mein Tipp: Recherchiere vorher genau und buche ausschließlich bei Anbietern, die sich nachweislich an Abstandsregeln halten und die Tiere nicht bedrängen. Das Erlebnis ist auch aus respektvoller Entfernung absolut beeindruckend.

Ausflug zum Pura Ulun Danu Bratan

Von Lovina aus lässt sich auch der Pura Ulun Danu Bratan, welcher auf dem Beitragsbild zu sehen ist, gut erreichen. Dieser ist wohl der fotogenste Tempel Balis: Er liegt scheinbar schwebend auf dem Bratansee, umgeben von Nebel und grünen Steilhängen.

Amed: Ruhiges Ostbali und beeindruckende Tempel

Amed im Osten Balis ist deutlich ruhiger und touristisch weniger erschlossen als der Süden – genau das macht den Reiz dieser Region aus. Hier hat man durch die Vulkanasche schwarz gefärbte Strände, welche mystisch wirken. Da fühlt man sich den Göttern der Insel direkt näher.

Luftaufnahme eines schwarzen Sandstrandes im Norden der Insel Bali in Indonesien.

Pura Tirta Gangga

Der Wasserpalast Pura Tirta Gangga mit seinen Koi-Teichen, Springbrunnen und Steinpfaden war einer der entspanntesten Orte meiner gesamten Reise. Ein perfekter Zwischenstopp für ein paar ruhige Fotos und einen Spaziergang.

Lempuyang-Tempel: Der berühmte, den ich ausgelassen habe

Auch wenn ich es nicht bis dorthin geschafft habe: Der Penataran Agung Lempuyang Temple ist DER Ort für die berühmten „Gates of Heaven„-Fotos, die vermutlich jeder schon einmal auf Instagram gesehen hat.

Was viele nicht wissen: Für dieses eine Foto musst du teilweise bis zu zwei Stunden anstehen, da die Bilder mit einem Spiegel-Trick entstehen und entsprechend viele Leute dafür Schlange stehen. Falls du diesen Ort einplanst, solltest du entweder sehr früh anreisen oder dich auf lange Wartezeiten einstellen.

Tauchen und Schnorcheln

Amed ist zudem beliebt bei Tauchern und Schnorchlern – die Steilküste bietet einige der besten Unterwasserspots der ganzen Insel – zum Beispiel ein altes Schiffswrack – und ist deutlich weniger überlaufen als der Süden.

Bukit-Halbinsel: Dramatische Klippen

Die Bukit-Halbinsel im äußersten Süden Balis ist bekannt für ihre imposanten Klippen, die steil ins Meer abfallen. Hier gibt es viele Orte, Tempel und Strände die man erkunden kann. Als wir 2022 hier waren, bereitete sich die Insel grade auf den G20-Gipfel vor.

Pura Luhur

Der wohl bekannteste Tempel der Halbinsel befindet sich im Westen, am Rande der Klippe gelegen. Man kann hier durch eine wunderschöne Tempelanlage spazieren, mit etwas Glück Affen beobachten und natürlich den atemberaubenden Ausblick genießen. Wofür aber die meisten herkommen, ist der berühmte Kecak-Tanz. Dieser findet zum Sonnenuntergang im Amphittheater des Tempels statt und erzählt die Geschichte vom Kampf zwischen Prinz Rama und dem Dämonenkönig Ravana um die Prinzessin Sita. Begleitet von rhythmischen Gesängen, Tanz und Feuer ist es ein wahres Spektakel und Must-Do.

Baden ja, Surfen eher für Fortgeschrittene

Zum Baden habe ich die Buchten hier sehr genossen – kristallklares Wasser, beeindruckende Felsformationen im Hintergrund. Beim Surfen sieht die Sache allerdings anders aus als in Seminyak: Die Wellen hier sind deutlich anspruchsvoller und meiner Meinung nach eher etwas für erfahrene Surfer. Wenn du gerade erst anfängst, würde ich dir eher zu den sanfteren Wellen in Seminyak raten und die Bukit-Halbinsel eher fürs Baden und die Aussicht genießen empfehlen.

Nusa Penida: Die spektakulärsten Strände meiner Reise

Wenn ich einen Ort nennen müsste, der mich rund um Bali landschaftlich am meisten überrascht hat, wäre es die Nachbarinsel Nusa Penida.

Unterkunft

Ich habe im Tropical Garden Inn übernachtet – eine einfache, aber gemütliche Unterkunft mit freundlichem Personal. Hier haben wir gerne am Pool gelegen und ein Bintang getrunken.

Traumstrände

Die Strände auf Nusa Penida, allen voran der berühmte Kelingking Beach mit seiner Klippe in Dinosaurier-Form, gehören zu den spektakulärsten, die ich auf meinen bisherigen Reisen gesehen habe. Das Wasser hier hat eine Farbe, die fast unwirklich wirkt. Absolutes Highlight meiner zweiten Bali-Reise. Die meisten Leute gehen nur zum Fotospot an der Klippe, aber wagen nicht den Weg hinab zum eigentlichen Strand. Wir haben das natürlich gemacht, aber ich muss zugeben, dass der Weg nicht ohne ist. Man muss ganz schön kraxeln (teils sogar klettern) und das bei keinem Schatten. Außerdem ist der Strand gar nicht wirklich zum Baden geeignet, da hier hohe Wellen auf die Küste treffen und eine gefährliche Strömung herrscht. Aktuell baut die indonesische Regierung einfach einen FAHRSTUHL runter zum Strand – meiner Meinung nach macht das die wunderschöne Szenerie kaputt. Wirklich schade wie solche Orte dem Kommerz und der Geldgier zum Opfer fallen.

Das gleiche gilt für den nicht weniger schönen Strand Diamond Beach, welcher sich im Osten der Insel befindet. Auch hier ist der Weg runter beschwerlich und ein Baden nahezu unmöglich. Schön anzusehen ist er trotzdem!

Praktische Tipps für deine Bali-Reise

Rollerfahren: Trage immer geschlossene Schuhe und einen Helm – meine Zehen-Geschichte ist Warnung genug. Die Straßen sind oft uneben und der Verkehr chaotisch.

Beste Reisezeit: Die Trockenzeit von April bis Oktober eignet sich am besten für eine Bali-Reise, auch wenn die Insel grundsätzlich ganzjährig bereisbar ist.

Trekking: Neben der Wanderung zum Bratan (die ich verpasst habe) gibt es zahlreiche weitere Trekkingmöglichkeiten auf Bali, unter anderem zum Vulkan Batur für einen Sonnenaufgang.

Nightlife: Wer Party sucht, wird in Seminyak und auf Gili Trawangan fündig. Wer Ruhe sucht, ist in Amed und Lovina besser aufgehoben.

Fazit: Bali zwischen Göttern und Dämonen

Bali hat mir auf zwei Reisen gezeigt, wie widersprüchlich und gleichzeitig faszinierend eine Insel sein kann. Auf der einen Seite die spirituelle Ruhe der Tempel, die sattgrünen Reisterrassen, die Delfine vor Lovina. Auf der anderen Seite ein Vulkan, der buchstäblich Asche auf meinen Roller regnen ließ, ein gebrochener Zeh gleich am ersten Tag, und Partynächte auf Gili Trawangan, die so gar nicht zur besinnlichen Tempelatmosphäre in Ubud passen wollten.

Genau diese Widersprüche machen Bali für mich zur „Insel der Götter und Dämonen“ – ein Ort, der einen mit offenen Armen empfängt und trotzdem nie ganz berechenbar ist. Und ehrlich gesagt: Wenn selbst die berühmtesten „Bali“-Fotos eigentlich von einer vorgelagerten Insel stammen, zeigt das auch, wie viel mehr Indonesien insgesamt zu bieten hat, als die meisten Reisenden überhaupt auf dem Schirm haben. Bali war für mich erst der Anfang.

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