Ich habe mir selbst zum 28. Geburtstag einen Kindheitstraum erfüllt und einen Städtetrip nach London gemacht. Für mich war es die erste Solo-Reise jemals und ich hatte keine Ahnung was mich erwarten wird. Vom verregneten England war hier Anfang Juni jedenfalls keine Spur zu sehen! Und ich kann vorab sagen: Es war genauso toll wie ich es mir all die Jahre ausgemalt habe.
Anreise
Für mich ging der Flieger vom Hauptstadtflughafen BER zum etwas abgelegenem Flughafen „Stansted“ im Norden von London. Dieser liegt gute 60km außerhalb, ist aber mit dem Stansted Express gut mit der Stadt verbunden. Auf die englischen Züge ist im Gegenteil zur Deutschen Bahn auch wenigstens Verlass und man kann die gut einstündige Fahrt komfortabel hinter sich bringen.
Unterkunft
Bei der Unterkunft hatte ich meine ganz persönliche Harry Potter Erfahrung, denn ich schlief wortwörtlich in einem Schrank unter einer Treppe – ungelogen!
Man muss dazu sagen: London ist teuer und ich lege bei Unterkünften nicht zu großen Wert auf Platz und Ausstattung, da ich dort eher weniger Zeit verbringe. Da ich allein reiste, sinkte die Messlatte noch etwas nach unten. Die Lage und Anbindung waren aber prinzipiell gut. In der Nähe des Battersea Parks gelegen, konnte ich von hier meine Touren bequem starten. Die Karte zeigt den Park in der Nähe meiner Unterkunft.
Für 4 Nächte habe ich knapp 200€ gezahlt, was wirklich günstig für London ist. Dafür ist die Lage auch nicht so zentral. Mir hat es aber gereicht.
Das habe ich in London gemacht
Meine Zeit habe ich in London größtenteils damit verbracht, zu Fuß durch die Stadt zu laufen und mir alles Mögliche anzugucken. Ich habe die bekannten Sehenswürdigkeiten alle von außen gesehen, aber bin nirgends rein gegangen – das wollte ich mir für meinen zweiten Besuch aufheben. Ich war also weder im Tower und habe die Kronjuwelen gesehen, noch war ich im Natural History Museum. Interessiert hätte es mich, aber ich werde definitiv wieder kommen und das nachholen. Aber ein Highlight gab es natürlich trotzdem, dazu später mehr.
Tag 1 – Von Chelsea bis Soho
Ich stiefelte von meiner Unterkunft los und der Weg führte mich zu erst über die Themse (die echt dreckig ist btw) nach Chelsea. Die Häuser und vor allem die bunten Türen haben es mir sehr angetan!



Je mehr ich durch London lief, desto eher fiel mir auf wie sauber die Straßen doch waren. Ich war echt positiv überrascht! Da kann sich Berlin auf jeden Fall eine Scheibe abschneiden.
Mein Weg führte mich weiter durch den Stadtteil Westminster und wie von allein trugen mich meine Füße vor den Buckingham Palace. Durch den Zaun konnte man die berühmten Wachen beobachten. Es ist echt kein leichter Job die ganze Zeit regungslos dazustehen und keine Mine zu verziehen.


Das berühmte „Changing the Guard“ Ritual habe ich leider verpasst, aber das wäre mir glaube eh nicht so wichtig gewesen zu sehen. Was ich dafür aber sehr spannend fand, war dass es es je nach dem aus welchem Regiment die Guards stammen, es kleine Erkennungsmerkmale an der Uniform gibt.
- Grenadier Guards:
Weiße Feder an der linken Seite der Mütze
Einzelne Knöpfe gleichmäßig verteilt - Coldstream Guards:
Rote Feder rechts an der Mütze
Knöpfe in Paaren angeordnet - Irish Guards:
Blaue Feder rechts an der Mütze
Knöpfe in Vierer-Gruppen angeordnet - Welsh Guards:
Weiß-Grüne Feder links an der Mütze
Knöpfe in Fünfer-Gruppen angeordnet - Scots Guards:
Keine Feder an der Mütze
Knöpfe in Dreier-Gruppen angeordnet
Ich ging weiter durch den St. James Park, welcher wirklich eine grüne Oase in der Stadt ist. Hier gibt es halbzahme Eichhörnchen und Pelikane, welche auf Steinen im Teich ruhen. Ein idyllischer Ort mitten in einer riesigen Stadt. Hier zeigte sich der Turm des Big Ben dann auch zum ersten Mal über den Baumwipfeln.




Von dort aus ging ich weiter nach SoHo – Big Ben musste noch etwas warten! Ich kam am Picadilly Circus vorbei, den ich ziemlich unspektakulär fand und durchquerte eine Art Mini-Chinatown. Hier gab es viele bunte und schillernde Läden und viel Reizüberflutung für meinen Geschmack. Optisch ansprechend fand ich dann wieder den Theater District. Hier stehen tolle Gebäude. Bei meinem nächsten Besuch steht ein Musical auf jeden Fall ganz oben auf der To Do Liste!


Tag 2 – Entlang der Themse
Am zweiten Tag stand alles rund um die Themse auf meinem Plan: Ich fuhr mir der Underground-Bahn ein paar Stationen und ließ mich wieder treiben. Bin ich eigentlich die einzige, die diese Bahnen unglaublich laut und windig findet?
Das Wetter war im Vergleich zum ersten Tag traumhaft schön und es war einfach perfekt für einen Spaziergang an der Themse.
Zu erst kam ich am Palace of Westminster mit dem Big Ben vorbei. Mir wurde gesagt, dass ich wohl mega Glück hatte, dass das Gerüst vom Turm entfernt wurde. Der Turm schien einige Jahre von einem Gerüst umgeben gewesen zu sein – lucky me! Dahinter erspähte ich dann auch direkt die Westminster Abbey. Eine wirklich eindrucksvolle Kirche, die garantiert einen Besuch wert ist. Mir reichte aber die Außenansicht und ich machte mich auf den Weg weiter die Themse entlang mit meiner Kamera.


Weiter ging es am London Eye entlang, womit ich nicht gefahren bin. Meine Höhenangst konnte da getrost drauf verzichten. Stattdessen ging es mit knurrendem Magen zum viralen Borough Market. Eine wunderschöne, überdachte Markthalle wo man allerlei Gerichte auf die Hand bekommen kann. Hier war es so voll mit Menschen, dass mich das komplett überforderte und ich mich lange nicht entscheiden konnte, was ich denn essen will.




Am Ende ist es was total unenglisches geworden: Käsespätzle und zum Nachtisch Erdbeeren mit Schokosauce. Die musste ich dann aber an der Themse essen. Das war mir in der Markthalle einfach zu stressig. Beides war aber sehr lecker!
Hier war ich nun schon ganz in der Nähe der Tower Bridge, welche ich dann auch überquerte und am Tower vorbei in die City of London ging. Beides super beeindruckende Bauwerke! Kurz habe ich überlegt mir die Kronjuwelen im Tower anzuschauen, aber das Wetter war einfach zu schön und ich hatte Lust weiterhin durch die Stadt zu schlendern.



Mein Weg führte mich also durch die City of London, vorbei an modernen und historischen Gebäuden. Ich liebe die Architektur in London! In der berühmten Brick Lane wühlte ich mich durch Vintage Shops, aber wurde nicht so richtig fündig. Dafür ging ich per Zufall an zwei Banksys vorbei – diese Stadt ist einfach ein Traum. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Ich malte mir schon aus wie ich hier leben würde, so schockverliebt war ich in London.
Zurück ging ich über die aus Harry Potter berühmte Millenium Bridge und hatte einen kleinen fangirl moment! Imposant fand ich auf der anderen Seite der Themse auch das Gebäude des „Tate Modern“, ein berühmtes Kunstmuseum.
Tag 3 – Camden Town
Am dritten Tag des Städtetrips hatte ich leider nicht so Glück mit dem Wetter, also entschied ich mich ein bisschen shoppen zu gehen. Online fand ich heraus, dass der Stadtteil Camden Town sehenswert sein soll und dass es dort gute Shoppingmöglichkeiten gäbe. Ich schwang mich wieder in die viel zu laute Underground-Bahn und kam kurze Zeit später an.
Was mir direkt auffiel: hier gab es viele kreativ gestaltete Hausfassaden, Street Art und kleine Plätze an denen man sitzen und z. B. Streetfood essen konnte. Ich weiß nicht ob es an mir liegt, oder ob es an dem Wetter lag (vermutlich beides), aber der restliche Teil von Camden Town hat mich nicht so abgeholt. Es gab zwar viele tolle Läden und hübscher Gassen, doch es wirkte alles so billig und sehr touristisch. Das Warenangebot fand ich ernüchternd – nichts was man nicht auch andernorts bekommt. Da habe ich echt mehr erwartet! Es war nett hier langzuschlendern, aber ich würde nicht nochmal unbedingt wieder kommen.
Dafür kann ich eine Sache von meiner Bucket List streichen: Fish&Chips in England gegessen!





Tag 4 – Das Highlight
Natürlich folgte das Highlight dieses Trips an einem ganz besonderen Tag – meinem Geburtstag! Ich verbrachte meinen Geburtstag zum ersten Mal in meinem Leben alleine und damit das nicht traurig enden würde, gönnte ich mir ein fancy Frühstück, ganz nach meinem Geschmack. Mein guilty pleasure sind gut gemachte Süßspeisen und ich denke das Bild spricht Bände: Es war vorzüglich!
Doch lange Zeit hatte ich nicht zum frühstücken – ich musste pünktlich am Busterminal sein, denn ich hatte mir am Abend zuvor noch eine Tour gebucht. Quasi als Geburstagsgeschenk an mich selbst. Kleiner Selfcare-Tipp: Schenkt euch selbst Dinge oder Erlebnisse die ihr super findet! Man selbst weiß einfach am besten was man toll findet! Und da ich ein leidenschaftlicher Nerd bin, machte ich eine Tour durch die Warner Brother Studios!


The Making of Harry Potter – Warner Brother Studios Tour
Ich saß also im Bus auf dem Weg nach Watford im Nordwesten von London, der typisch, englische Regen prasselte gegen die Scheiben und ich war aufgeregt wie ein kleines Kind. Nach bestimmt anderthalb Stunden kam meine Gruppe und ich an den Studios an, bekamen noch eine Zeit gesagt an der wir zurück am Bus sein sollten und dann ging es auch schon los.
Zu erst kommt man in einen kleinen Hörsaal/Kinosaal und es wird ein wirklich emotionales Video gezeigt. Die Schauspieler sprechen über ihre Jahre am Set und wie dankbar sie für die Zeit sind. Wusstest du, dass es am Set eine eigene Schule für die Schauspieler gab? Sie verbrachten einfach einen Großteil ganze Kindheit und Jugend hier. Eventuell musste ich mir ein kleines Tränchen verdrücken – mein inneres Kind war so gerührt und gleichzeitig aufgeregt auf die Ausstellung.
Dann lichtete sich der Vorhang und das Tor zur großen Halle kam zum Vorschein. Da hindurchzutreten fühlte sich auch irgendwie magisch an.
Zum Rest der Ausstellung will ich nicht zu viel vorneweg nehmen – als Fan muss man sie einfach gesehen haben wenn man eh in London ist. Aber ich kann sagen, dass es nochmal mehr faszinierend ist, wenn man weiß mit wasd für einer ENORMEN Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde. Von Kostümen, über Masken, bis hin zum Grafikdesign. Auch das Licht, mit dem die Ausstellungsstücke in Szene gesetzt wurden, war grandios. Wie viel hier von Hand gefertigt und beschriftet wurde ist Wahnsinn! Beeindruckend ist gar kein Ausdruck dafür. Ich hoffe meine Bilder können einen kleinen Eindruck vermitteln, auch wenn es nur Smartphoneaufnahmen sind.
Kurz gesagt: Es war fantastisch! Money well spent.













Fazit
Kennt ihr das, wenn ihr euch schon seit langer Zeit freut einen Ort besuchen zu können? Man malt sich ein Bild davon aus und stellt sich vor wie toll es sein wird, wenn man da ist. Entweder man hat Glück und die Vorstellung entspricht den Erwartungen, oder man findet den Ort dann total kacke und ist irgendwie sogar enttäuscht, dass er gar nicht so toll ist wie man ihn sich vorgestellt hat.
In meinem Fall hat London meine, um es in Harry Potter Noten auszudrücken: „Erwartungen übertroffen“.
Also wirklich, ich hätte niemals gedacht, dass die Stadt mich derart verzaubern würde. Mir hat einfach alles gefallen. Anfänglich wusste ich auch nicht so recht wie ich das finden soll alleine unterwegs zu sein, aber am Ende fand ich es großartig. Ich konnte tun und lassen was ich wollte! Keine einzige Sehenswürdigkeit habe ich von innen angesehen, dafür ohne Ende Schritte zurückgelegt – wo mögliche Begleiter:innen ganz sicher keine Lust drauf gehabt hätten. Ich liebe es aber eine Stadt zu Fuß zu erkunden. Ich konnte essen was ich wollte und Bilder über Bilder machen, ohne das jemand rumnörgelt und weiter gehen will.
Ich bin sogar happy, dass ich so viel nicht gemacht habe, denn ich komme definitiv wieder!
Das würde ich außerdem sehen/machen wollen:
- Westminster Abbey
- St. Paul’s Cathedral
- Tower of London
- Natural History Museum
- Sherlock Holmes Museum
- Hyde Park
- Ein Musical
- Tate Modern Museum
- Tea Time
- Oxford Street
- Harrods
Allgemein hat London mir Lust gemacht noch mehr von England zu sehen. Einen Roadtrip durch das Land bis hoch nach Schottland könnte ich mir sehr gut vorstellen! Stonehenge, Loch Ness und Co. wollen von mir auch noch erkundet werden. Nach „The Last Kingdom“ und „Outlander“ ist die Neugier auf Land, Leute und Geschichte sehr groß.
Bis hoffentlich ganz bald London und England!

